+++ Pressebericht aus dem Jahr 2007 +++
DIE NEVERENDING KITA
Betreuung rund um die Uhr: In Brandenburg gibt es einen Kindergarten, der nie schließt. Auch in Berlin wird bald eine Zweigstelle öffnen (VON VERENA SCHULEMANN UND CHARLES YUNCK (FOTOS))
2003 gründete die gelernte Erzieherin mit einer Freundin ihre erste eigene Kita mit Schichtbetrieb als Verein. Der Anfang war schwer, Helsing - selbst zweifache Mutter - musste viele Klinken putzen. Am Ende halfen 28 Sponsoren und eine Wohnungsbaugenossenschaft stellte eine Erdgeschoss-Wohnung zum günstigen Mietpreis bereit. Der Hausmeister übernahm die Renovierung. Inzwischen sind alle 24 Plätze vergeben. Auf der Warteliste stehen bereits 15 Namen.
Anfragen aus ganz Deutschland
"Ich habe Anfragen aus ganz Deutschland", freut sich Helsing. In Hamburg
und Berlin wird sie demnächst neue Non-Stop-Kindergärten
eröffnen, Personal schulen. Auf Kongressen in Brüssel
und Frankfurt soll sie internationalem Publikum ihre Arbeit vorstellen.
Inzwischen ist 7.30 Uhr, die Glocke ertönt und die
Kleinen strampeln sich aus ihren Laken. Die meisten haben gute Laune und Hunger.
Um die 15 Kinder zwischen ein und sechs Jahren toben um das Büffet
zum Selbstbedienen. Die drei Erzieherinnen haben alle Hände
voll zu tun. Der einjährige Vin weint, weil ihm
zu viele Fremde da sind. Gordon kleckert, Erik will noch mehr Tee, Sophie zappelt
und singt. Alle werden freundlich, aber bestimmt ermahnt. Wer kann, isst allein.
Die Anleitung zur Selbstständigkeit gehört
zum Programm. Anziehen, Pipi machen, Hände und Gesicht
waschen - wer's ohne Hilfe schafft, wird gelobt.
Helsing und ihre Helferinnen sind darauf eingestellt, dass sie häufig Erziehung nachholen müssen, die immer mehr Eltern zu überfordern scheint. Sie habe Kinder in ihrer Gruppe, erzählt Helsing. die tragen mit drei Jahren noch Windeln und können kaum ein Wort sprechen. Helsing: "Meistens versagen die Eltern aus Bequemlichkeit." Und jungen Eltern fehle häufig einfachste Grundkenntnis. "Die wissen noch nicht mal, was sie ihren Kleinkinder zu essen geben sollen", sagt Helsing, "und sind über jeden Hinweis dankbar." Trotz des guten Betreuungsanspruch: Mehr als zwei Nächte pro Woche und Kind lässt Helsing nicht zu. "Wir sind kein Kinderhotel."
Nach dem Frühstück ist Bewegung und Spiel angesagt. Einmal die Woche geht es zum Turnen in die Halle, Musikunterricht und Kunsterziehung sind so selbstverständlich wie das gemeinsame Mittagessen. Jetzt ist Tanz angesagt. Aus dem Kassettenrekorder tönt die Ansage mit Melodie: "Muskelmann", "Autostopp", "Glocke läuten". Die Kinder müssen die passenden Bewegungen dazu machen. Das kommt prima an.
Zwischen 27 und 257 Euro kostet ein Kita-Platz im Monat, für die Schichtbetreuung berechnet der Verein bis zu 40 Euro extra. Trotz des Zuschusses vom Mi- nisterium reichen die Einnahmen nicht, um die Kosten zu decken. Fast alle Erzieherinnen sind unterbezahlt. Helsing hat schon an Familienministerin von der Leyen geschrieben. Sie hofft noch.
Zwischen 15 und 16 Uhr beginnt der fliegende Wechsel bei den "Schnatterenten". Neue Kinder, die über Nacht bleiben werden, werden gebracht, die anderen abgeholt. Auch Sophies Mama steht nach getaner Arbeit vor der Tür. Sophie freut sich, die Mama zu sehen und brabbelt aufgeregt von den Erlebnissen des Tages. Ein paar Stunden später sitzen ein paar "Schnatterenten" vor dem Fernseher und schauen gemeinsam Sandmännchen. Dann geht es ins Bett. Die Erzieherin klappt leise eine Liege zwischen den Gitterbetten auf. Sie wird die Nacht, über Wache halten.
Lesen Sie auch unsere Stellungnahme zu diesem Bericht[BZ am Sonntag, 22. April 2007]
[2007-04-22 13:09] Leg los - werd gross e.V.









